650 Bäume werden zusammen mit der örtlichen Bevölkerung gepflanzt.

Impressionen

Fernsehbericht zum Projekt "Aufforstung in Thailand"

Green, clean and sustainable – Schulprojekt Kham Dok Mai

1. Grundgedanke

projekt1Das Schulprojekt Kham Dok Mai hat zum Ziel, unter Einbindung der Grundschule (ca. 110 Schülerinnen und Schüler) und mit der Unterstützung der Behörden vor Ort auf dem Gemeinde-eigenen Areal (rund 6‘400 m2), das z. Z. noch aus Eukalyptuswald besteht, Regenwald aufzuforsten. Aus ökonomischer Sicht ist Eukalyptus zwar ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, aus ökologischer Sicht jedoch sind Monokulturen von Eukalyptusbäumen sehr problematisch. Wo Eukalyptus wächst, haben andere Pflanzen keine Chance. Seine Wurzeln reichen so tief in die Erde, dass sie den Boden auf Jahre hinweg auslaugen. Gleichzeitig sind die Bäume so schnellwüchsig, dass andere heimische Gehölze und Pflanzen sich nicht behaupten können. Zusätzlich vertreibt der strenge Geruch nach Menthol oft heimische Insekten und andere Tiere. Die Monokulturen bieten der Tierwelt keinen Lebensraum. Der Boden verarmt und die Natur ebenso. Deshalb entstand die Idee, den Eukalyptuswald zu roden und die Wurzeln zu entfernen. Anschliessend soll mittels mindestens zweimaliger Gründüngung der Humus und damit die Bodenqualität verbessert und schliesslich artenreicher Regenwald mit einheimischen Hölzern aufgeforstet werden. Erreicht wird damit, dass die Bodenerosion gestoppt, das ökologische Gleichgewicht wieder hergestellt, die Artenvielfalt von Flora und Fauna erhalten und der Wasserhaushalt stabilisiert wird.

Mit der Einbindung der Schule in dieses Projekt ist ein Anfang gemacht, um dann nach und nach eine Signalwirkung auf die gesamte Dorfbevölkerung, die Nachbargemeinden und die Region erzielen zu können. Wir wollen mittelfristig möglichst viele Menschen für den Grundgedanken der nachhaltigen Entwicklung gewinnen, ja sie für den dahinterstehenden Plan begeistern.

Es ist aus diesem Grunde unverzichtbar, dass die Arbeit am Projekt ein hohes Mass an Transparenz erfährt, dass ständig über die aktuellen Phasen des Projekts informiert wird und jeder Schritt hin zum Ziel medial dokumentiert wird.
Das gemeinschaftliche „Auf-ein-Ziel-hin-arbeiten“, das Zusammengehen von Erleben und Vermittlung von Wissen, die Faszination, die aus der Nähe zur Natur aus geht, die Identifikation mit dem Projekt und seinen Zielen und letztendlich das Übernehmen von Verantwortung für das Wachsen und Gedeihen einer Pflanze mittels „Baumpatenschaften“ machen das Projekt zu einer ebenso tiefgreifenden wie erzieherisch wertvollen Erfahrung.
Wir sind überzeugt, dass dieses Projekt für alle Beteiligten ein gewinnbringendes, nachhaltiges und Befriedigung schaffendes Erlebnis sein wird. Der Nutzen für die Natur wird dementsprechend mächtig ausfallen.

2. Planen und umsetzen von Schulprojekten; systematischer Ansatz

Der Einstieg ist möglich über

  • ein Thema
  • eine gesellschaftliche Fragestellung
  • eine Aktualität oder Alltagserfahrung
  • die Dringlichkeit, die Brisanz des Handlungsbedarfs

Eine Eingrenzung des Projekts um die Konturen des Sachverhalts zu erfassen erreichen wir über die

  • Reflexion über künftige Entwicklungen
  • Fakten (Umstand, Unkenntnis, Missstand etc.) bzw. Fragestellungen dazu
  • Aspekte der nachhaltigen Entwicklung (ökonomisch, sozial, ökologisch)
  • räumliche und zeitliche Dimension

Von den Zielsetzungen und deren Umsetzung

Schulprojekte zum Themenkreis Nachhaltige Entwicklung fördern mittels Lernprozess Fähigkeiten wie

  1. vernetztes Denken; verstehen von Zusammenhängen [das Thema wird aus verschiedenen Perspektiven betrachtet; unterschiedliche Interessen und Wertvorstellungen werden allseits eingebracht und wenn sinnvoll berücksichtigt]
  2. vorausschauendes Denken und Planen; Innovation und Zukunftsorientierung [neue Sicht- und Denkweisen werden erprobt; Auseinandersetzung mit Visionen, dann vorausschauen, welche Auswirkungen die verschiedenen Modelle auf künftige Entwicklungen haben werden]
  3. Teamarbeit und Partizipation an einem gemeinschaftlichen Ziel [Eigeninitiative der Handelnden; Kinder gestalten den Lernprozess mit]
  4. kritisches Hinterfragen von Werten [die Kinder setzen sich kritisch mit eigenen und fremden Entwürfen oder mit unterschiedlichen Wertvorstellungen auseinander]
  5. erkennen und realisieren von Möglichkeiten zum Handeln; Transfer [Konkrete Handlungsmöglichkeiten werden wenn immer möglich 1:1 erprobt und auf ihre Umsetzung hin überprüft. Möglichkeit zum Transfer: Das erworbene Wissen kann in anderen Zusammenhängen angewendet werden]
  6. Kreativität, Mut [Kinder werden ermutigt, ihre natürliche Kreativität anzuwenden; Erfolgserlebnisse machen glücklich]

3. Nachhaltigkeit Lehren und Lernen

Das Projekt sollte unseres Erachtens die Standards der ESD (Education for Sustainable Development) für nachhaltigen Konsum berücksichtigen, welche eine Reihe von sozialen, wirtschaftlichen und politischen Verhaltensregeln auf der individuellen, familiären, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ebene beinhalten. Dem Alter der Kinder entsprechend wären dies die Punkte

  • Verringerung der Umweltbelastung durch Produktion, Gebrauch und Entsorgung von Gütern
  • Verantwortungsbewusster Grundverbrauch an Nahrung und Trinkwasser
  • Vermeiden von Verschwendung
  • Einsatz energie- und wassersparender Geräte
  • Eine Lebensweise, die mehr Gewicht auf sozialen Zusammenhalt, Tradition und nicht auf materielle Werte legt

Fünf Schwerpunkte konnten als Schlüssel zur Bildung über nachhaltigen Konsum identifiziert werden:

  • Die menschlichen Grundbedürfnisse befriedigen
  • Lebensqualität dem Materialismus vorziehen
  • Minimierung von Gebrauch, Verschwendung und Belastung natürlicher Ressourcen
  • Beim Konsum den Aspekt der Lebensdauer berücksichtigen
  • Im Interesse künftiger Generationen handeln

4. Einstieg ins Thema

Am Anfang steht die Sensibilisierung der Kinder für das Thema. Wichtig ist dabei, dass sie mit allen Sinnen die nötigen Erkenntnisse gewinnen; per definitionem “Handelndes Lernen” ist charakterisiert durch

  • sinnbestimmte und
  • für jeden Einzelnen sowie für die Gruppe relevante,
  • aktive, instrumentelle und kommunikative Bearbeitun
  • einer bildungswesentlichen Thematik
  • durch mehrere Personen
  • indem von diesen sämtliche Sinne eingesetzt werden und
  • mitunter einen Zuwachs an persönlichen Erfahrungen, Erkenntnissen und Fähigkeiten und Fertigkeiten bei den Bearbeitenden beinhaltet.

Nur unter Berücksichtigung dieser Regeln erzielen wir über die reine Bildungsvermittlung hinaus, dass die Kinder ein Instrumentarium in die Hand bekommen um – jetzt und später – ihre Einstellung, ihre persönlichen Wahl- und Verhaltensmöglichkeiten bezüglich Nachhaltigkeit zu verändern bzw. anzupassen.

Ein Einheitsentwurf von Unterrichtsprogrammen oder -materialien zum Thema Nachhaltigkeit ist nicht möglich. Die Lehrpersonen müssen ihr Umfeld, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Konditionen der Lernenden berücksichtigen und sicherstellen, dass Lehrinhalt und -material auch kulturell angemessen sind. Am effektivsten ist ein massgeschneidertes Projekt, das orts-, alters- und schulbezogen ist, sinnorientiert ist und sich an Gegebenheiten hält, die im Umfeld der Familien der Kinder zu finden sind. Aus didaktischer Sicht nutzen wir die natürliche Neugier, die ungebremste Kreativität, den Drang zum Befühlen, Riechen, Schmecken der Kinder. So macht es den Kindern richtig Spass.

Ausgehend von den Grundbedürfnissen und von lebenswichtigen Voraussetzungen, die keine Einschränkung dulden

  • saubere Luft
  • sauberes Trinkwasser
  • genügend und gesunde Nahrung
  • Wohnung
  • Kleidung
  • Bildungseinrichtungen

stellen wir fest, dass nicht alle diese Bedürfnisse befriedigt werden können, weil

  • Luft, Boden und Wasser bereits stark belastet sind
  • Trinkwasser zu teuer ist
  • Menschen wegen der schlechten Luft,
  • wegen des verunreinigten Wassers,
  • wegen ungenügender oder ungesunder Nahrung krank werden

Die Gründe dafür sind leicht identifizierbar

  • das Verbrennen von gemischtem Abfall verunreinigt die Luft
  • das Entsorgen von Müll vergiftet den Boden, das Gift gelangt ins Grundwasser und durch Verbrennung auch in die Luft
  • Wasser muss unter enormem Aufwand gereinigt und zu Trinkwasser aufbereitet werden
  • vor allem arme Menschen werden krank, weil sie sich kein sauberes Trinkwasser leisten können

5. Fakten zum Baum

  • ein gesunder, alter Baum produziert ca. 10 – 15 kg Sauerstoff pro Tag
  • ein Mensch verbraucht ca. 0.5 – 2 kg Sauerstoff pro Tag (abhängig von der Aktivität)
  • also kann ein einzelner Baum 10 – 20 Menschen mit Sauerstoff versorgen
  • an heissen Tagen verdunstet ein Baum rund 400 Liter Wasser
  • damit erhöht er die Luftfeuchtigkeit und senkt die Lufttemperatur (Verdunstungskälte)
  • Bäume verbrauchen mehr Kohlendioxid als sie Sauerstoff produzieren
  • sie filtern Staub und Krankheitserreger (Bakterien und Schadpilze) aus der Luft
  • spenden Schatten
  • reduzieren Windgeschwindigkeit
  • vermindern Lärm
  • produzieren Holz
  • lassen Früchte wachsen
  • schaffen Lebensraum und Nahrung für zahlreiche Tierarten
  • verbessern den Boden mit Humus durch Laubabfälle
  • verschönern die Landschaft

6. Fakten zu Thailand

  • Aufklärungsarbeit von staatlicher Seite (auch via Schule) wurde bereits erfasst
  • wirkungsvolle Ansätze (Mülltrennung, staatliche Verbote und Verordnungen, Aufklärungskampagnen) sind bereits im Gang
  • gute Beispiele werden und wurden bereits entwickelt und teilweise aus dem Ausland übernommen
  • die Mängel sind erkannt; es sind dies
  • Mülltrennung
  • Abfallbewirtschaftung
  • Gewässerschutz
  • Schutz vor Luftverschmutzung (insbesondere Industrie)
  • Vorschriften und deren Einhaltung bez. Einsatz von Pestiziden, Fungiziden, Herbiziden
  • Schutz der Wälder; Rodungsverbote (Bodenerosion, Erdrutsche, Überschwemmungen; Bauholz wurde immens teuer)

7. Daraus folgende mögliche Projekt-Themen in der Schule

  • Abfallvermeidung; Abfallverminderung; Trennen und Recyceln
  • Artenvielfalt; Artenschutz
  • Erde; Lebensraum Boden; Boden als Filter
  • Energienutzung; Energiesparen
  • Ernährung; Fair Trade; Konsum und Klimaschutz
  • Wasser, Trinkwasser, Abwasser, Wasser als Lebensraum
  • Lebensraum Wald; Aufforstung; wertvolles Baumaterial und anderer Nutzen

8. Voraussetzungen für Projektunterricht an der Schule von Kham Dok Mai

  1. ausreichende Infrastruktur
  2. flexibler Lehrplan der Schule der zulässt, dieses Projekt über längere Zeit zu bewirtschaften
  3. 3. optimale Motivation der Lehrpersonen
  4. die Lehrpersonen sowie die Schülerinnen und Schüler sind es gewöhnt projektartig zu arbeiten

9. Definition Projektunterricht

Projektunterricht ist fächerübergreifend konzipiert; er wird handlungsorientiert und erlebnishaft ausgearbeitet.

Die Projektinitiative (Projektidee) steht am Anfang eines jeden Projektes. Im Rahmen eines Projekts wird über einen bestimmten Zeitraum ein Thema aus dem Erlebnisbereich der Lernenden behandelt (learning by doing). Bestandteile eines Projektes sind die Auseinandersetzung mit der Projektinitiative, Auswahl des endgültigen Bereiches, gemeinsame Entwicklung des Betätigungsgebietes und bilden so wesentliche Lernprozesse.

Bedürfnisse, Neigungen und Interessen der Teilnehmer spielen eine Rolle und fliessen in die Entwicklung des Betätigungsgebietes ein.

Projektunterricht weist folgende Merkmale auf (nach H. Gudjons)

Auswahl
a) Situationsbezug
b) Orientierung an den Interessen der Beteiligten
c) gesellschaftliche Praxisrelevanz

Planung
d) zielgerichtete Projektplanung
e) Selbstorganisation, Selbstverantwortung (altersabhängig)
Handlungsorientierte Auseinandersetzung
f) Einbezug aller Sinne
g) soziales Lernen

Lösung an der Wirklichkeit überprüfen
h) Produktorientierung
i) Transfer; Interdisziplinarität
j) Grenzen des Projektunterrichts

10. Projekt-Budget / -Kosten /- Finanzierung

Die Projektkosten sind mit 10‘000 Baht veranschlagt.

Die Projektfinanzierung erfolgt über einen Beteiligungsbeitrag pro Schülerin und Schüler von mindestens 10 Baht.

Jede Lehrperson, alle Eltern, Geschwister (vorausgesetzt sie gehen nicht in die Schule von Kham Dok Mai), Grosseltern, Tanten etc. dürfen/können ebenfalls etwas spenden.

Frau Getkanok Boonlert und Herr Markus Haubensak haben zudem bereits eine Defizitgarantie abgegeben.

11. Zeitrahmen

Der Eukalyptuswald ist bereits gerodet; die Wurzeln sind so bald wie möglich zu entfernen, und es sollte mit der Gründüngung begonnen werden. Schön wäre es, wenn wir schon im Schuljahr 2013/2014 beginnen könnten.
Die Projektdauer haben wir vorläufig mit 3 Jahren veranschlagt.

Geri Michel
vormals Schulleiter in Basel, Schweiz

Markus Haubensak
CEO Ethic and Sustainable Development Company AG (ESDC) in Basel, Schweiz